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  • Wer sind die Kopten?

Die Begriffe "Ägypten" und "Kopte" gehen beide zurück auf das griechische Wort"Aigyptos", einer entstellten Aussprache des altägyptischen Ausdrucks "He-ka-Ptah", was so viel bedeutet wie "das Haus des Gottes Ptah", des Gottes der Schöpfung in der altägyptischen Götterwelt


Im dritten vorchristlichen Jahrhundert wurden die Hieroglyphen der altägyptischen Sprache erstmals mit Buchstaben des griechischen Alphabets wiedergegeben, das um sieben demotische (altägyptische) Schriftzeichen ergänzt wurde. Heutzutage nennt man diese Sprache Koptisch oder "die Sprache Ägyptens" in ihrer letzten Ausprägung.


Das Christentum kam in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts n.Chr. nach Ägypten, und zwar durch das Wirken des Heiligen Markus, der das Evangelium gleichen Namens verfasst hat. Im dritten Jahrhundert ungefähr war fast ganz Ägypten christlich und die Kirche von Alexandria galt neben Jerusalem, Rom und Antiochien als eine der Hauptkirchen der Welt.


In der Mitte des siebten Jahrhunderts eroberten die Araber Ägypten unter dem Banner des Islams. Auf unterschiedlichen Wegen wurde die Bevölkerung des Landes allmählich dazu veranlasst, zum Islam überzutreten, und ungefähr im zwölften Jahrhundert waren Kopten eine religiöse Minderheit. Seit dem Jahre 706 n.Chr. war Arabisch als Amtssprache durchgesetzt worden, dennoch wurde bis ins 17. Jahrhundert hinein weiterhin auch Koptisch gesprochen. In der Gegenwart ist es lediglich noch in der koptischen Messe die Sprache der Liturgie.


Vor allem seit Mitte des achten Jahrhunderts stellte man die Kopten vor die Wahl, entweder sich zum Islam zu bekehren oder die Steuer der freien Nichtmuslime Gisia(Kopfsteuer) zu zahlen. Wer sich dafür entschied, den christlichen Glauben zu behalten, erhielt fortan den Status der (freien) nichtmuslimischen Untertanen. Damit standen sie offiziell zwar unter dem Schutz der islamischen Gesetze, tatsächlich jedoch brachte dies gravierende Einschränkungen ihrer Rechte mit sich und führte in der heutigen Zeit dazu, Kopten nicht mehr als Bürger, sondern als bloße Subjekte zu betrachten.


Der durch die Last der "Gisia" Kopfsteuer erzeugte Druck und die gleichzeitige Arabisierung Ägyptens spielten bei den demographischen Veränderungen im Lande eine wichtige Rolle. Im Gegenzug führte dies zu einem schmerzhaften Bruch in der nationalen ägyptischen Kultur und damit der ägyptischen Wesensart.


Seit der Eroberung durch die Araber schwankten die Lebensbedingungen der Kopten zwischen schwerer Verfolgung und relativ friedlichen Atempausen. Dies war immer abhängig von den Launen der Herrscher und ihren Interpretationen der islamischen Vorschriften.


Ethnisch lässt sich zwar eine große Mehrheit der ägyptischen Bevölkerung aus historischer Sicht ebenfalls als "Kopten" bezeichnen. Jahrhundertelang wurden mit diesem Begriff jedoch ausschließlich die einheimischen Christen bezeichnet. Kopten waren immer und sind noch heute tief verbunden mit ihrer Heimat und ihrem kulturellen Erbe.


Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auf Grund internationalen Drucks im gesamten Osmanischen Reich der niedrige Status des freien nichtmuslimischen Untertanen offiziell abgeschafft, Kopten konnten sich ab sofort in der Armee verpflichten. Die Beteiligung an Politik und Wirtschaft ihres Landes erreichte in den 1920er und 1930er Jahren ihren Höhepunkt. Als aber dann theokratische islamistische Organisationen wie z.B. die Muslimbruderschaft stärker wurden und zur Errichtung eines islamischen Staat aufriefen, begann sich ihre Lage wieder zu verschlechtern.


In den 1970er Jahren erlebten die Kopten in Ägypten eine der schlimmsten Zeiten der letzten Jahrzehnte. Die Diskriminierungen nahmen zu, man drängte sie an den Rand der Gesellschaft, sie mussten unter den Schikanen und dem Terror islamischer Fanatiker leiden, oft ohne ausreichenden Schutz durch den Staat. Eine Verfassungsänderung unter Präsident Sadat, die die Scharia, das islamische Gesetz, zur Hauptquelle der Gesetzgebung machte, öffnete in der Realität der unaufhaltsamen Islamisierung des Landes Tor und Tür.


Die Kopten in Ägypten werden nur auf Grund ihrer religiösen Zugehörigkeit von Mitgliedern extremistischer Gruppen und sogar der ägaptischen Regierung verfolgt.


Dieser kurze geschichtliche Überblick ist Voraussetzung für eine Verbesserung der Lage. Er ist ebenso wichtig für jeden Versuch, diese sozialpolitischen Übel auszumerzen, so dass alle Ägypter harmonisch miteinander leben und eine bessere Zukunft auf der Basis moderner universaler und progressiver Werte bauen können.

  • Die Lage der Kopten heute:



  • Spezifische Ziele, um das Klima der Intoleranz in Ägypten zu ändern.

Es muss gewährleistet sein, dass schulische Lehrpläne Nichtmuslime und ihre
Religionen nicht verunglimpfen und die Akzeptanz und der Respekt vor dem
„Anderssein des anderen" gefördert wird. In allen öffentlichen Schulen sollte
Pflichtunterricht in Menschenrechten erteilt werden.


Hass-Kampagnen und –propaganda, gleich welchen Ursprungs, ob von Medien oder religiösen Organisationen und ihren Führern, ist unter Strafe zu stellen. Häufig veröffentlichte Literatur, in der Nichtmuslime als „Kafir", d.h. Ungläubige, bezeichnet werden, sind als bloße offene Einladung zu verstehen, Verbrechen gegen sie zu verüben und sie als Minderwertige zu behandeln.


Kopten müssen in allen gewählten und ernannten gesetzgebenden und
verwaltungsmäßigen Körperschaften in ihrer Gesamtheit und angemessen vertreten sein. Der gegenwärtige Zustand, in dem Kopten kaum vertreten oder grob unterrepräsentiert sind, ist untragbar. Wir sprechen uns zwar nicht für ein System aus, in dem ständig eine zahlenmäßige Entsprechung besteht, glauben aber, dass ein derartiger Ansatz heutzutage erforderlich ist - und zwar als vorübergehende Maßnahme. Mindestens 15% aller Sitze im Parlament und im Kabinett müssten Kopten zugewiesen werden, um ein politisches und psychologisches Gleichgewicht wiederherzustellen. Dies wäre ein positives Zeichen, um Ungerechtigkeiten der Vergangenheit zu korrigieren und zu garantieren, dass Kopten an der Verwaltung ihres Landes gemeinsam mit ihren muslimischen Mitbürgern beteiligt werden.


Die Lehrpläne der Schulen und Universitäten sind zu revidieren, damit die
koptische Kultur und Sprache darin aufgenommen und die koptische Ära in
Ägyptens Geschichte berücksichtigt wird.


In den öffentlich kontrollierten Medien müssen der Veröffentlichung und
Verbreitung von Unterlagen über die koptische Kultur ausreichend Raum und
Programme zugeteilt werden. Derzeit werden in diesen Medien zahlreiche islamische Schriften verbreitet und mehrere hundert Stunden islamischer Sendungen wöchentlich ausgestrahlt. Ein ähnlicher Umfang an Raum, Zeit und freier Rede sollte gleichermaßen allen Ägyptern zugestanden werden.
Die nationale Identität Ägyptens sollte auf ursprünglichen ägyptischen
Wesenszügen begründet werden. Offenheit gegenüber modernen universalen
Werten, religiöse Toleranz und gegenseitiges Verständnis sollten Teil jener
ägyptischen Eigenschaften sein.

  • Spezifische Ziele, um die Verfolgung und Diskreminierung von Kopten in Ägypten abzuschaffen.

Sämtliche Gesetze, Bestimmungen oder Verfahren, welche Nichtmuslimen das
Recht auf freie Religionsausübung beschneiden, wie zum Beispiel das niederträchtige Hamayouni-Dekret (osmanische Ära, 1856) Reich und alle damit verbundenen demütigenden Auflagen für die Errichtung von Gebetsstätten, sind aufzuheben.


Die ägyptische Verfassung muss modifiziert werden, um das säkulare Wesen des Staates und die absolute Gleichheit aller Bürger ungeachtet ihres Glaubens zu betonen, und die Scharia, die islamische Gesetzgebung, die Hauptquelle, zu nur einerunter vielen Quellen der Gesetzgebung zu machen. 


Das System der sichtbaren Unterscheidung der Bürger muss aufgelöst werden, indem man jedwede Verpflichtung abschafft, die Religionszugehörigkeit des Einzelnen auf amtlichen Papieren, wie z.B. Personalausweisen, Antragsformularen usw., festzuhalten.


Ähnliche Regeln sind hinsichtlich der Glaubensfreiheit sowie Verfahren für die
Konvertierung von einer zur anderen Religion anzuwenden.


Es muss gewährleistet sein, dass Einstellungen allein auf Verdienst und
angemessener Vertretung beruhen. Insbesondere gilt dies in Fällen von Stellen „an vorderster Front", von denen Kopten derzeit ausgeschlossen sind., wie zum Beispiel von höheren Kabinettsposten, von Gouverneuren, Bürgermeistern, Dekanen an Universitäten und Fakultäten sowie höheren Positionen in Medien, Militär und Polizei (einschließlich der Staatssicherheit). Dasselbe gilt für die Einschreibung in Militärakademien oder die Ernennung zu Dozenten an Universitäten und Bildungsinstituten, in Justiz und Diplomatie, wo Obergrenzen (in der Regel 1-2%) für Kopten verfügt wurden.
Die religionsabhängige Dualität öffentlicher Schulen müssen abgeschafft werden. Das derzeitige Muslimen vorbehaltene parallele Ausbildungssystem ist in den letzten drei Jahrzehnten um das 250-fache gestiegen und umfasst nun über 1,3 Millionen Studenten

  • Spezifische Ziele, um die Schikanierung Kopten in Ägypten einhalt zu gebieten.

Nach dem Gesetz soll festgenommen und bestraft werden, wer Kopten angreift, und die Opfer sind angemessen zu entschädigen. Örtliche Behörden, die normalerweise in der Lage sind, klare Entscheidungen zu treffen, wenn Regierungsbeamte oder Touristen angegriffen werden, dürfen nicht plötzlich nachlässig werden, wenn es sich dabei um Kopten handelt.


Die anscheinende Befangenheit bei Polizei und anderen Behörden in Fällen
erzwungener (inklusive durch diverse Formen ungehörigen Drucks herbeigeführter) Konvertierungen zum Islam muss beseitigt werden.


Den sich in zahlreichen ägyptischen Dörfern oft mit Wissen der örtlichen Behörden ausbreitenden Praktiken fanatischer Gruppen und Banditen, Kopten eine Kopfsteuer aufzuerlegen, muss ein Ende gesetzt werden. Wer nicht bezahlte oder sich beklagt hat, gefährdete sein Leben und Eigentum. Viele Kopten mussten schon in Hoffnungslosigkeit ihre Häuser verlassen und in die Armenviertel größerer Städte fliehen, um dort zu leben.
Vorfälle von Missbrauch, Demütigung und Verletzung der Rechte von Kopten als Menschen müssen objektiv untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.


Bei der Verfolgung unserer Ziele wollen wir


Uns friedlicher, ziviler und politischer Mittel bedienen und uns zu den Prinzipien der Menschenrechte bekennen, wie sie in den einschlägigen internationalen Dokumenten dargelegt sind;


uns an die Gesetze und Bestimmungen des Landes halten, in dem wir leben oder in dem wir tätig sind. Allerdings werden wir unsere legitimen Rechte einsetzen, jedwede Situation, Bestimmungen Gesetze oder erfassungsmäßige Bedingungen zu kritisieren und ihre Änderung verlangen, die unserer Meinung nach den international anerkannten Standards der Menschenrechte nicht entsprechen.


Wir respektieren die christlichen Kirchen, denen Kopten angehören, insbesondere die koptisch-orthodoxe Kirche ihrer herausragenden Geschichte, ihres Erbes, ihrer geistlichen Lehren und ihrer Rolle wegen, die sie über die Jahrhunderte hinweg bei der Bewahrung des Glaubens spielte. Wir mischen uns nicht in religiöse, Glaubens- oder Hierarchiefragen ein, noch werden wir in unserem Tun, für das wir volle Verantwortung übernehmen, von religiösen Hierarchien geleitet.


Gleichzeitig mit der Förderung der Rechte der Kopten in Ägypten, unterstützen wir auch das allgemeine Wohl Ägyptens und werden unser Äußerstes dazu tun, aus ihm eine moderne (d.h. pluralistische, säkulare, demokratische) und wohlhabende Nation zu machen, die ihrer siebentausendjährigen Geschichte uneingeschränkt würdig ist.


Wir wünschen uns ein vereintes Ägypten, in dem alle Bürger Seite an Seite in Frieden, Harmonie und Gleichheit leben. Oft hört man, die Kopten Ägyptens seien Teil seiner sozialen Struktur, wir erwarten jedoch, gleichgestellt zu sein mit unseren muslimischen Brüdern und Schwestern, also in der Tat Teil der gleichen sozialen Struktur zu sein.


Wir legen Wert darauf festzustellen, dass in der heutigen Welt Fragen der
Menschenrechte, Minoritäten und Völkerrechte nicht mehr nur von lokaler oder nationaler Bedeutung sind. Sie genießen vielmehr weltweite Bedeutung und besetzen in der internationalen Politik eine Spitzenposition.


Wir befürworten eine gerechte und umgehende Lösung für die Sorgen und Klagen der Kopten in Ägypten, und zwar im Lande selbst und durch die zuständigen Behörden.


Wir begrüßen den Dialog mit Regierungsbeamten in Ägypten genauso wie mit
nichtstaatlichen Organisationen, Intellektuellen, Personen des öffentlichen Lebens und allen, denen daran gelegen ist, das reine Grundrecht, das Recht auf Gleichheit, um das die Kopten bitten, anzuerkennen.
Wir werden uns internationaler Foren bedienen, um den Sorgen der Kopten Gehör zu verschaffen, und die erforderlichen Schritte hin zu einer politischen Lösung der koptischen Probleme unternehmen, bis die Rechte der Kopten als ägyptische Bürger verwirklicht sind.